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Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution

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Es waren junge Frauen und Männer im Alter um die 20 Jahre, die in Leipzig Ende der 80er Jahre eine Bewegung in Gang setzten, die noch heute ihresgleichen sucht. Sie traten für den Umweltschutz ein, riefen zu Demonstrationen gegen die Zensur der DDR auf, forderten Demokratie. Jahrelang hatte Peter Wensierski, einst selbst Leipzig-Berichterstatter für Medien im Westen, zahlreiche der damaligen Protagonisten interviewt, Fotos, Tagebücher, Notizzettel und Kalender von ihnen gesammelt und letztlich mit seinem Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ Geschichte bewahrt, „die sonst verloren gegangen wäre“.

 

Ausschnitte aus diesem Buch stellte Peter Wensierski, heute Redakteur beim SPIEGEL, zusammen mit dem Zeitzeugen Rainer Müller in einer Lesung am Montag, den 22. Oktober 2018 im Evangelischen Schulzentrum Leukersdorf vor. Die hochspannende Buchlesung wurde dabei mit seltenen Film- und Tonausschnitten ergänzt und wurde von den Schülern der Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 mit großem Interesse verfolgt. Dabei erfuhren diese, wie Jugendliche vor 30 Jahren unter gefährlichsten und herausforderndsten Bedingungen einen Pleiße-Gedenkmarsch organisierten, um gegen die Zerstörung der Landschaften, insbesondere die massive Verschmutzung der Pleiße, aufzubegehren oder wie sie im Keller Flugblätter druckten, um zur Demonstration für die Freiheit der Menschen aufzurufen.

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Jugendliche sprachen in dieser Zeit „mehr Klartext als so manch Künstler und Schriftsteller“, stellte Peter Wensierski fest, denn sie verweigern sich dem System und fordern den Staat heraus. Sie wollen sich nicht mehr anpassen. Sie wohnen gemeinsam in Abrisshäusern, planen in langen Nächten am See ihre nächsten Aktionen, drucken heimlich Flugblätter, feiern in einer illegalen Nachtbar bis in den frühen Morgen und demonstrieren am Tag in der ersten Reihe. Sie werden verfolgt, aber mit jeder neuen Aktion verlieren sie ein Stückchen mehr Angst und die Diktatur an Kraft.

Zu diesen Jugendlichen zählte auch Rainer Müller, der sehr ausführlich über sein Leben als junger Oppositioneller in Leipzig und von unterschiedlichsten Aktionen jener rebellischen Generation, die sich Ende der Achtzigerjahre in den verfallenen Häusern von Leipzig zusammenfand, berichtete. So sammelte er unter anderem Wäschemangeln und versteckte diese im Keller. Mit ihrer Hilfe wurden im Mai 1988 etwa die Einladungen produziert, die zur ersten Umweltdemo entlang des extrem verschmutzten Flusses Pleiße aufriefen. Doch „schon die Papierbeschaffung war schwierig“, erinnerte sich Rainer Müller. Denn wer mehr kaufte als üblich, wurde von der Staatssicherheit beobachtet – „oder gleich gefilmt, wie in meinem Fall“.

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Hier erscheint demnächst noch ein Video-Beitrag.

Diesen und vielen anderen spannenden Geschichten lauschten die Schüler für 90 Minuten und konnten dabei feststellen, dass "Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution" nicht nur ein Buch für all jene ist, die diese Phase deutscher Geschichte aus einer ost- oder westdeutschen Perspektive erlebt haben, sondern auch für junge Menschen, Schüler und Studenten heutzutage ein Appell ist, für die eigene Überzeugung einzutreten.

 

 

 

 

 

 

Thomas Georgi


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